„Lasset uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der HERR kundgetan hat.“

So beschließen es die Hirten auf der Steppe vor Bethlehem, nachdem sie durch den Engel Gottes von der Geburt Jesu erfahren haben. Unglaublich, wie schnell sie den großen Schrecken verarbeitet haben, den ihnen gerade eben erst die Erscheinung der Engel eingejagt hatte. Todesangst hatten sie ausgestanden, und dann hörten sie den Gruß: „Fürchtet euch nicht; denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die allen Menschen widerfahren soll. Euch ist heute der Heiland geboren!“
Es kommt mir vor, als seien wir den Hirten der Weihnachtsgeschichte in diesem Jahr besonders nahe. Erschrecken haben wir genug erlebt, nur leider nicht durch Engel, sondern durch ein tückisches, mikroskopisch kleines Virus. Manche Menschen haben Todesängste durchlitten. Mitten in unserem halbwegs geregelten Leben ist Alles, wirklich Alles durcheinander geraten. Immer wieder schauen wir uns an und fragen, was wir bloß tun können.
Die Hirten haben trotz ihrer Angst sich nicht ganz lähmen lassen. Sie haben genau zugehört, sie haben sich Gottes Wort geöffnet. Nur so konnten sie den wundervollen Trost hören: „Fürchtet euch nicht!“ Und ich finde, das können wir von den Hirten lernen: Hören auf Gottes Wort, den Trost annehmen, sich von der Weihnachtsfreude anstecken lassen. Und ganz gut können wir ihn gebrauchen, diesen ermutigenden Zuruf eines Engels: „Fürchtet euch nicht!“
Aber es genügt nicht, Weihnachten nur vom Hörensagen zu kennen. Wie die Hirten müssen wir selbst mitten in dem Geschehen dabei sein. Nun können wir nicht zu Fuß nach Bethlehem laufen, und in diesem Jahr wird es sogar schwierig, vielleicht gar nicht möglich sein, die liebgewordenen Weihnachtsfeiern zu erleben; kein gemeinschaftliches Singen im Kerzenschein, kein Kurrendegesang vor den Häusern, kein Mettenspiel vor übervoller Kirche, keine Feiern im großen Familienkreis. Aber um bei Jesus anzukommen, müssen wir nicht unbedingt traditionelle Feste abhalten. Jesus kommt ja nicht in Gänsebraten und Glühwein, nicht in Tannenbaum und Weihrauchduft, so schön das Alles sein mag. Bei Jesus kommen wir an und Jesus kommt zu uns, wenn wir in ihm Gottes große Liebe entdecken. Dazu genügt die biblische Geschichte, oder ein Lied, das kann sogar von einer Aufnahme kommen (wer nicht singen kann), ein kleines Licht oder ein lieber Gruß vielleicht.
Die Hirten waren gar nicht so lange zu Besuch bei Jesus. Sie mussten bald wieder an die Arbeit, in ihren Alltag zurück. Aber sie nahmen die Freude mit und teilten sie mit allen Menschen, die ihnen begegneten. Auch auf uns warten die Aufgaben, Sorgen und Probleme nicht lange. Dennoch können wir Freude teilen und mitteilen. Gehen wir auch dieses Jahr an die Krippe. Das geht auch trotz Corona. Aber Vorsicht: Die Weihnachtsfreude ist hoch ansteckend!

Eine gesegnete Adventszeit voller Vorfreude und Zuversicht, eine freudige Weihnachtszeit, viel Bewahrung durch Gottes Hand und einen mutigen Schritt ins neue Jahr wünscht
Ihr/ Euer Pfarrer Volker Burkart