Suche Frieden und jage ihm nach!

Diese Jahreslosung aus Psalm 34 begleitet uns nun schon seit Jahresbeginn. Wir haben sie in verschiedenen Stunden besprochen, zu erklären und zu verstehen versucht. Wir haben erfahren, dass König David, der Psalmbeter, ein Gejagter war, der keinen Frieden hatte. Und gerade aus dieser Erfahrung lehrt er die nachfolgende Generation, dass der Frieden ein ganz hohes Gut ist, das wir nur erreichen und halten können, wenn wir nach Gott fragen, wenn wir Seine Regeln einhalten. Vor allen Dingen haben wir uns bemüht, danach zu leben: Wir haben Frieden gesucht; wir haben diesem scheuen Reh „Frieden“ nachgespürt, behutsam, um es nicht zu verscheuchen.
Nun neigt sich dieses Jahr dem Ende zu: Das Kirchenjahr endet mit dem Gedenken der Verstorbenen, davor halten wir Bußtag und den Volkstrauertag, an dem wir an die Opfer der Kriege erinnern und an ihre Mahnung, Frieden zu schaffen und Krieg zu meiden. Aber während ich diese Zeilen schreibe, ist es gerade eine Woche her, dass ein Mann aus antisemitischem Hass ein grausames Blutbad unter der jüdischen Gemeinde in Halle geplant hat, damit zwar gescheitert ist, aber zwei unbeteiligte Menschen gnadenlos ermordet, etliche verletzt und ganz viele verstört hat. Es ist eine Schande, dass in Deutschland wieder gesagt werden kann, dass hier bestimmte Menschen keinen Platz haben dürfen, und dass solche Worte und die ihnen folgenden Wahnsinnstaten leider nicht nur Abscheu und Widerspruch, sondern bei gar nicht so wenigen Bürgern auch Beifall erwecken. Da möchte ich fragen: Haben so Viele die Mahnung der Toten nicht verstanden? Haben wir das Leid schon nach 74 Jahren vergessen, das wir über die Völker und über unser eigenes Volk gebracht haben?
Wer, wenn nicht wir Christen, soll denn die Menschen zum Frieden mahnen? Wer, wenn nicht wir, soll es denn vorleben, „wie man streiten und sich dennoch lieben kann“? (So singen wir es gern mit dem Lied SvH 0118) Aber es scheint auch uns nicht besonders gut zu gelingen! Unter uns gibt es zu viel Streit aus zu geringen Anlässen. „Die brüderliche Liebe sei herzlich“, sagt uns Paulus. Aber wo ist diese Herzlichkeit geblieben? Wo sind Freude und Begeisterung, wo ist das Brennen für Jesus Christus? Ich vermisse es oft. Und dann erleben wir, dass unsere Landeskirche schon nach 4 Jahren einen neuen Landesbischof suchen muss. Ich kann und will nicht beurteilen, wer hier welche Fehler gemacht hat. Aber ich muss feststellen, dass der Umgangston auch in unserer Kirche zu hart geworden ist. Und das tut unserer Kirche nicht gut. Ganz zu schweigen von dem Bild, das wir in der Öffentlichkeit abgeben.
Der Friede ist ein scheues Reh. Es zu erwischen kostet viel Mühe, Geduld, Einfühlsamkeit. Es kann kein Frieden werden, wenn wir uns nicht gut kennen, wertschätzen und uns um Gerechtigkeit bemühen. Aber die Suche nach Frieden lohnt sich, denn wo Frieden ist, da blüht das Leben.

Frieden, schalom, salam, mir, eirene und peace wünscht
Ihr/ Euer Pfarrer Volker Burkart