Umkehrungen

Geschichte kann immer nur im Nachhinein beurteilt werden: Was waren die guten Entwicklungen? Wo sind gefeierte Aufbrüche in Katastrophen geendet? Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer? Im November wird wieder zweier historischer Ereignisse besonders gedacht werden: Am 9. November vor 100 Jahren begann die Novemberrevolution. Am selben Tag vor 80 Jahren brannten in Deutschland die Synagogen und begann die Verfolgung all derjenigen, die nicht so dachten wie die nationalsozialistischen Machthaber und ihre Helfer. Ob Revolution oder Reichspogromnacht, es wurde dem Volk versprochen, nun werde Alles besser. Die Verhältnisse würden sich umkehren, es würde Allen zum Recht verholfen werden, die bislang zu kurz gekommen seien.
Die Geschichte lehrt uns, dass es alles Lügen waren. In der Folge der Revolution haben sich bloß andere Eliten etabliert und die Völker geknechtet und ausgebeutet, sie haben mit Angst und mit blutiger Verfolgung ihre Macht behauptet, auch gegeneinander. Zahllose Menschen wurden Opfer des Wahns, der nur dürftig verbrämt war mit den revolutionären Ideen eines Karl Marx. Stalin und Hitler waren von demselben Schlage; eigentlich hätten sie sich bestens verstehen müssen.
In Deutschland wurde wenig später der Aufbruch einer neuen, jungen Zeit verheißen. Es müssten, so hieß es, nur erst alle aus dem Wege geräumt werden, die das alte System verkörperten: Das so genannte „internationale Finanzjudentum“, das in abartigen Verschwörungstheorien schuldig gesprochen wurde an der Weltwirtschaftskrise und am Niedergang Deutschlands. Außerdem habe Deutschland aus dem verlorenen Ersten Weltkrieg nicht etwa zu lernen, dass es sein eigener großer Fehler war, sondern eher, dass es sich nun befreien müsse von der Schande, die ihm angetan wurde, und Rache nehmen am Erbfeind. Alle Bedenkenträger verschwanden darauf aus dem öffentlichen Leben; die Glücklichen unter ihnen wanderten aus, die weniger Glücklichen oder die Stärkeren landeten in den Konzentrationslagern.
Die Geschichte sollte uns lehren, vorsichtig zu sein mit vollmundigen Versprechungen. Die Ereignisse vor 80 und vor 100 Jahren endeten damit, dass Millionen von Menschen im Gulag und in KZ umkamen, die neuen Systeme krachend zusammenbrachen und Europa aus einem Scherbenhaufen neu gebaut werden musste. Heute hören wir wieder Reden von „Alternativen“, die gefunden werden müssten (und von „alternativen Tatsachen“), von Schuldigen an der Misere und von dem „kleinen Mann auf der Straße“, der sich endlich sein Recht holen müsse. Verdächtig gemacht werden alle „Etablierten“, und neue, krude Verschwörungstheorien machen die Runde.
Die Bibel sagt uns: „Es gibt nichts Neues unter der Sonne!“ (Pred. 1, 9) Und Gott sagt: „Siehe, ICH mache Alles neu!“ (Offb 21, 5) Wir sollten es Ihm überlassen, denn Gott verdient unser Vertrauen. ER hat uns noch nie enttäuscht. Und ER verlangt keine Aufrüstung und Gewalt, sondern die Macht der Liebe. Es ist Zeit, umzukehren zu Gott.

Einen stillen November zum Nachdenken wünscht
Ihr/ Euer Pfarrer Volker Burkart