„Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“

So sang Rudi Carell nach etlichen verregneten, kühlen Jahren, voller Sehnsucht nach „Sonnenschein von Juni bis September“. Ich kann mich noch gut erinnern an Sommer in Norddeutschland, in denen die Bauern kein Heu machen konnten, weil die Wiesen so durchweicht waren, dass man sie nicht mit Maschinen befahren konnte, außerdem verfaulte das Mähgut sofort. Dieser Sommer hat uns in der Hinsicht auf Sonnenschein und Hitze mehr als verwöhnt. Aber er hat uns auch erschreckt: Wer die verbrannten Halme von Gras oder Getreide gesehen hat, Bäume, die Laub und ganze Äste abwerfen, und ausgetrocknete Bäche, Flüsse und Seen, hat vielleicht wieder neu verstanden, wie sehr wir abhängig sind vom Segen Gottes. Von wegen „ohne Gott und Sonnenschein fahren wir die Ernte ein“, wie die großspurigen Sprüche des ideologischen Allmachtswahns sagten.
Wir sind gesegnet worden: Nicht nur herrliches Badewetter haben wir geschenkt bekommen, es ist auch trotz der Dürre wieder Vieles gewachsen. Wir werden nicht hungern. Anders als viele Menschen, deren Länder schon lange von anhaltender Dürre heimgesucht werden, werden wir zu Essen und zu Trinken haben. Einiges wird etwas teuerer werden. Größere Sorgen haben wir nicht. Das bedeutet aber nicht, dass die Menschen in unserem Land sich keine Sorgen machten, im Gegenteil: Viele bezeichnen die Lage im Land als katastrophal, fühlen sich bedroht, malen düstere Szenarien von unserer Zukunft. Darum möchte ich im Jahre 501 nach der Reformation nochmal zwei Dinge von Martin Luther zitieren. Das erste ist verbürgt, denn es steht im Kleinen Katechismus in der Erklärung zum ersten Gebot: „Woran du dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist recht eigentlich dein Gott.“ Wenn wir uns verlassen auf Versicherungspolicen, Börsenwerte, Wirtschaftsprognosen, wenn wir unseren Schutz erwarten von höherer Polizeipräsenz, Wiedereinführung der Wehrpflicht oder (Gott bewahre uns davor) eilig aufgestellten Bürgerwehren, wenn wir eine berechtigte und vernünftige Vorsorge zu einer übertriebenen Sorge werden lassen, die uns verängstigt und auffrisst, dann dienen wir einem Moloch, einem Götzen, der uns und unsere Kinder verschlingen wird. Davor behüten uns die Dankbarkeit für das, was Gott gibt, und der verantwortliche, großzügig teilende Umgang mit Seinen Gaben. Dann fließt sein Segen immer neu.
Das andere Wort wird Luther zugeschrieben, und es würde auch zu ihm passen: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, so würde ich heute noch mein Apfelbäumchen pflanzen.“ Mag sein, dass morgen Einer den roten Knopf drückt (Wahnsinnige dafür gibt es genug), mag sein, dass ein Meteorit die Erde trifft, mag sein, dass Gott sagt, dass die Zeit der Erde erfüllt sei und die Vollendung beginnen soll. Es gibt dennoch keinen Grund, die Hände müßig in den Schoß zu legen; nichts Gutes, das heute getan werden kann, ist morgen deswegen dumm oder überflüssig. Und schließlich: Man kann ja nie wissen, ob nicht gerade mein Apfelbäumchen meinen Enkeln den Teller füllt und sie darüber den Herrn preisen und einen dankbaren Gedanken an mich haben.
Für das Gute, das wir tun können, gibt es nur einen richtigen Zeitpunkt: Jetzt!

Ihr/ Euer Pfarrer Volker Burkart