Mensch, ärgere dich nicht!

Wer kennt nicht dieses alte Brettspiel? Gelächter, nicht selten ein bisschen schadenfroh, Tränen der Wut am Familientisch, Eltern und Großeltern, die heimlich die Kinder gewinnen lassen. Die Würfel fallen mal so, mal so, und nicht selten wird einer kurz vor dem Ziel aus dem Spiel geworfen und muss ganz von vorne anfangen. Kleine, bunte Spielpüppchen werden für eine Stunde zum Kosmos. Das Spiel ist so angelegt, dass Glück und Pech entscheiden können, aber auch so, dass es kleine Gehässigkeiten ausdrücklich erlaubt! Nicht immer gewinnt, wer es verdient hätte.
So ist das Leben. Gerade jetzt müssen viele Menschen, die sich kurz vor dem Ziel glaubten, ganz zurück zum Start. Mancher zweifelt, ob die Mühe neu anzufangen noch lohnt. Und leider, auch im richtigen Leben, lassen manche Situationen nicht nur kleine, sondern große Gehässigkeiten und Missgunst zu: Warum hat die, was ich nicht habe? Mensch, ärgere dich nicht! Das Leben ist ja kein Spiel, es ist ganz ernst, aber die Spiele lehren uns, dass man nicht immer gewinnen kann und dass jeder Neubeginn eine Chance bietet. Wer im Spiel gelernt hat, dass man nicht immer seine Möglichkeiten gegen die Anderen ausspielen muss, hat etwas Wichtiges für sein Leben gelernt.
„Niemand suche das Seine, sondern was dem Anderen dient!“ So schreibt der Apostel Paulus an die Gemeinde in Korinth. Selbstsüchtiges Raffen und hässliches Geifern gegen Mitmenschen macht aber nicht nur Christenmenschen und ihrem Herrn Schande, es ist auch der Schaden jeder Gesellschaft. Wir Menschen haben die Zeiten überdauert, weil wir die Fähigkeit haben, vom eigenen Vorteil auch einmal abzusehen und das zu tun, was der Gemeinschaft dient. Gut, das können auch Bienen und Ameisen. Aber wir Menschen können auch miteinander reden und Kompromisse finden, wir können unsere Rolle selbst neu bestimmen. Und wer dabei nach Gott fragt, hat noch dazu eine Leitlinie, die über das hinausgeht, was bloß praktischen Nutzen hat.
Jesus hat es uns vorgemacht, was es heißt, Anderen zu dienen. Und er hat seine Jünger gelehrt, einander Gutes zu gönnen und gegenseitig zum Ziel zu verhelfen. Davon leben wir in diesen schwierigen Zeiten. Bisher haben wir das ganz ordentlich geschafft, als Land, aber auch als Kirche. Gehen wir diesen Weg gemeinsam bis zum Ende.


Ihr/Euer Pfarrer Volker Burkart