Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
(Spruch zum Sonntag Jubilate, 3. Mai, 2. Korinther 5, 17)

Alles neu macht der Mai! Komm, lieber Mai und mache die Bäume wieder grün! Solche Liedverse fallen uns ein zum Mai. Wir verbinden mit diesem „Wonnemonat“ unsere Sehnsucht nach Sonnenschein, Wachstum, neuem Leben. Und die Natur erfüllt diese Sehnsucht gut und gerne. Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus.
Vielleicht ist in diesem Jahr die Sehnsucht besonders groß, dass unser Leben wieder in den Bahnen ablaufen kann, die wir uns wünschen. Vieles ist aus der Bahn geworfen. Wir erlebten zum ersten Mal ein Osterfest ohne öffentliche Gottesdienste. Wir mussten die Konfirmationen verschieben, und die Jubelkonfirmation kann nicht stattfinden. Wir mussten auf Besuche und Reisen verzichten, und Familienanlässe, fröhliche wie traurige, konnten nicht begangen werden. Nun hoffen wir Alle, ob klein oder groß, jung oder alt, dass wir wieder raus können, durchatmen, Leben spüren.
Es wird noch nicht gleich Alles werden wie vorher. Auch dieser Gemeindebrief sagt uns, dass noch nicht Alles wieder geht. Und es ist kein Zeichen des Kleinglaubens, dass wir die weltlichen Gebote halten, die von uns Abstand verlangen, Kontaktverbote fordern, Einschränkungen unserer Freiheit bedeuten. Es ist ein Zeichen unserer Nächstenliebe, unserer Rücksicht auf die Schwachen, dass wir diese Notwendigkeiten vernünftig einsehen. Diese Gebote hat uns Jesus gegeben! Doch die letzten Wochen haben gezeigt: Unsere Kirche stirbt nicht, wenn wir eine Weile unseren Glauben nicht in den gewohnten Formen leben können. Wir sind daran gewachsen. Wir haben uns neu lieb gewonnen. Viele haben sich Gedanken gemacht, wie sie für Andere sorgen können. Es gab unglaublich viele Zeichen von neuer Gemeinschaft. Es hat sich erwiesen, dass es für uns stimmt, was der Spruch oben sagt: Wer zu Jesus Christus gehört, ist ein anderer Mensch geworden. Und es ist so viel Neues entstanden, was wir zu Weihnachten noch nicht für möglich gehalten hätten. Niemand musste allein sein. Wir sind aufgestanden zu diesem Osterfest. Wir haben die Auferstehung ganz neu erlebt als eine Wirklichkeit, die man spüren kann.
Umso mehr freuen wir uns, wenn wir uns wieder in unseren Kirchen treffen können, nebeneinander sitzen, miteinander singen und beten und irgendwann auch wieder in irgendeiner Form das Abendmahl feiern. Wir haben so Vieles vermisst. Wir haben einander vermisst. Darum lasst uns hoffen und darum beten, dass die Infektionen weiter zurückgedrängt werden können, dass die vorsichtigen Schritte zur Normalität keinen Rückfall bringen. Vor allen Dingen lasst uns mit Gebet und mit Tat denken an die Menschen, die nicht in einem so gut gestellten und geführten Land leben wie wir! Auch sie sollen erfahren, dass Jesus lebt, dass er neue Menschen macht, die sich von ihm leiten lassen und keinen allein lassen.


Ihr/Euer Pfarrer Volker Burkart