Genie-Streiche

Darunter versteht man, wenn Menschen mit einer geistvollen Idee überraschen können. Ich erinnere an drei Genie-Streiche, die im Mai Geburtstag haben:
Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wird 70 Jahre alt! Man kann leicht meckern über unser Land, beklagen, dass früher Alles besser gewesen und ringsherum nur noch Niedergang zu verzeichnen sei. Vergessen wir darüber aber bitte nicht, dass wir immer noch leben in einem Land, um das wir beneidet werden und das Vorbild ist für viele Menschen, die in ihren Heimatländern bisher nur träumen können von der Achtung der Menschenwürde, von der Freiheit zur Meinungsäußerung oder von freien Wahlen, ganz zu schweigen von dem Wohlstand, in dem wir leben. Die Väter dieses Grundgesetzes (es waren meines Wissens leider keine Frauen dabei) ließen sich leiten von ihren christlichen Grundsätzen, die im „Dritten Reich“ auf eine harte Probe gestellt worden waren.
85 Jahre alt wird die „Barmer theologische Erklärung“. Was, noch nie gehört oder gelesen? Dann lohnt sich ein Blick in das „Evangelische Gesangbuch“, das in unseren Kirchen ausliegt, Nr. 810! Dort lesen wir einige der Artikel, die immer mit einer biblischen Grundlegung beginnen, dann den Weg und Auftrag der Christen und der Kirche beschreiben und sich in einem dritten Teil gegen die Irrwege einer staatlich gelenkten und missbrauchten Kirche aussprechen. Noch bevor der Nationalsozialismus sein wahres Gesicht offen zeigte, erkannten die Teilnehmer der kleinen Bekenntnis-Synode im Wuppertaler Stadtteil Barmen, wohin es führen würde, wenn die Kirche sich mit einer Staatsführung gemein macht, die den ganzen Menschen fordert. Den ganzen Menschen mit Leib und Seele und mit seinen besten Kräften fordern, das darf nur Jesus Christus!
Vor 700 Jahren verstarb mit Leonardo da Vinci ein Universalgenie. Leonardo da Vinci entwarf die Kuppel des Petersdomes, von der die Fachwelt sagte: „Das hält nie! Sie wird einstürzen und die armen Gläubigen unter sich begraben!“ Sie steht heute noch und ist Vorbild vieler Nachbauten, bis hin zur Frauenkirche in Dresden. Weil er, das Genie, gewagt hat, was keiner seit der Antike wagte. Er schuf die geheimnisvolle „Mona Lisa“, die heute noch Massen anzieht und verzaubert und deren Rätsel nicht gelöst sind. Er skizzierte gewagte Konstruktionen, von denen viele noch Jahrhunderte auf ihre Verwirklichung warten mussten, so den Hubschrauber, zu dem ihm ein genügend leistungsstarker Antrieb fehlte. Aber an da Vinci zeigt sich auch, wie leicht sich Genie missbrauchen lässt zum Schaden statt zum Nutzen der Menschheit. So entwarf er auch ein Panzerfahrzeug für den Krieg.
Der größte Genie-Streich gelang Jesus; er verschwand von der Welt, aber damit ging seine Mission erst richtig los. Die Jüngerschaft wurde nicht kopflos, sondern ging in alle Welt und verkündigte: Jesus lebt! Zwischen Ostern und Pfingsten, zwischen Auferstehung und Kirchengründung feiern wir Himmelfahrt; der Himmel steht offen, und wir schauen unserem Herrn nicht hinterher, sondern entgegen.

Ihr/Euer Pfarrer Volker Burkart