Du süßer Himmelstau, lass dich / in unsre Herzen kräftiglich
und schenk uns deine Liebe, dass unser Sinn verbunden sei
dem Nächsten stets mit Liebestreu / und sich darinnen übe.
Kein Neid, kein Streit / dich betrübe, Fried und Liebe
müssen schweben, Fried und Freude wirst du geben.

Diese hoch poetischen Zeilen dichtete Michael Schirmer in dem Pfingstlied EG 130, 6. Man kann es kaum glauben, dass solche Hoffnungen formuliert worden sind mitten in einem barbarischen Krieg. Vor 400 Jahren ist der 30-jährige Krieg ausgebrochen; niemand hat gedacht, dass dieser Krieg so lange sich hinschleppen würde. Ganz zu Unrecht ist er immer wieder als Konfessionskrieg bezeichnet worden, doch in Wirklichkeit ging es wie immer um Macht, um Geld, um Aufstieg und Fall. Das Ringen um den rechten Glauben geriet ganz an den Rand, und die religiösen Fragen mussten meist nur zur Begründung herhalten für die grausamsten Kriegsverbrechen. Die bekanntesten Akteure trugen am Ende keinen Nutzen davon: General Tilly wurde geschlagen, König Gustav Adolf von Schweden siegte zwar in der Schlacht bei Lützen, kam dabei aber ums Leben, und Wallenstein wurde zuhause ermordet. Wem also hat dieser Krieg genützt? An seinem Ende wurde von erschöpften Kriegsparteien in Münster der westfälische Friede geschlossen, Europa war entvölkert, lange noch zogen marodierende Truppen plündernd durch das Land, die Menschen waren total verroht, eine ganze Generation kannte nichts als Krieg, Angst, Tod. Doch mitten darin sangen Menschen wie Michael Schirmer oder Paul Gerhardt vom Glauben, von Hoffnung und von Liebe.
Und wir leben wieder in einer Zeit der Verrohung in den Worten und Denkweisen, die Hemmschwelle vor der Anwendung von Gewalt sinkt immer tiefer, vergessen sind die Forderungen unserer Vorfahren, die sich nach zwei Weltkriegen schworen: Nie wieder Krieg! Nur wenige Flugstunden von uns entfernt tobt der Krieg, werden Städte belagert und ausgehungert, von denen geschlagenen Armeen nur verbrannte Erde hinterlassen, und die Sieger schlagen für sich den größtmöglichen Profit aus der Sache. Wieder dient Religion nur als billige Rechtfertigung für diese Menschenverachtung. Und gegen die tödliche Bedrohung der atomaren, biologischen und chemischen Massenvernichtungswaffen sind die Musketen, Kanonen und Hellebarden des dreißigjährigen Krieges fast harmlos anmutend. Heute kann innerhalb weniger Minuten eine Interkontinentalrakete jeden Ort der Welt treffen.
Unsere Hoffnung setzen wir auf die Kraft Gottes, die Menschen von innen erneuert, wie es Michael Schirmer dichtet: O Heilger Geist, kehr bei uns ein und lass uns deine Wohnung sein!

Einen geistreichen, begeisternden Wonnemonat Mai wünscht
Ihr/Euer Pfarrer Volker Burkart