O Herr, lass diesen Kelch an mir vorübergehen!
Doch nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.

So betet Jesus an seinem letzten Abend im Garten Gethsemane. So menschlich, so verständlich. Wie wir hat Jesus keine Lust zum Leiden, er hat Angst vor dem Sterben, auch wenn er am besten weiß, dass sein himmlischer Vater ihn nie fallenlassen wird.
Dieses Gemeindeblatt war schon fertig geschrieben, voller Pläne für viele schöne Gottesdienste und Veranstaltungen, die vor und über und nach Ostern sein sollten. Doch nicht unser Wille geschieht. Die Ereignisse haben uns schier überrollt, und wir mussten Maßnahmen ergreifen, die es seit Menschengedenken nie gegeben hat. Das tut uns unendlich weh. Unser Glaube ruft uns doch in die Gemeinschaft, aber nun ist naher Kontakt eine große Gefahr für das Leben, besonders der Menschen, die geschwächt oder besonders anfällig sind. Wir müssen sie schützen, wenn wir können. Es ist schwer, unsere Nächstenliebe nur auf Distanz zeigen zu können.
Wir wissen nicht, warum uns Gott diese Prüfung auferlegt. Wir wissen auch nicht, ob diese Infektionswelle eine apokalyptische Plage ist. Wir wissen nur Eines: Gott ist bei uns und lässt uns nicht fallen! Sein Wort gilt. Und sein Geist wird uns stark machen, diese Prüfung zu bestehen. In Zeiten der Not haben wir die Entscheidung: Werden wir nur jeder sich selbst der Nächste sein und sagen: Hauptsache, ich habe genug, es geht mir gut, ich überlebe? Oder werden wir auch in dieser Lage gemeinsam stark sein, einander beistehen und nach Kräften helfen? Werden wir die verordnete Untätigkeit nur als Strafe sehen, oder werden wir sie nutzen, um zu uns selbst zu kommen und dabei Gott und den Nächsten neu zu finden? Gott legt es in unsere Hände.
Gottes Wille geschieht ohnehin, auch ohne unser Zutun. So erklärt Luther die Bitte im Vater unser „dein Wille geschehe“. Aber es kommt darauf an, ob wir, wie Jesus, diesen Willen Gottes annehmen und nach Kräften unterstützen. Wir hätten uns alle gewünscht, dass dieser Kelch, das Corona-Virus, an uns vorübergegangen wäre. Es war aber wohl blauäugig anzunehmen, dass ein hoch ansteckender Virus, bei den weltweiten Verkehrswegen und den vielen Reisenden, unser Land nicht erreichen würde. Nun kommt es darauf an, dass wir alles tun, um Leben zu schützen, um Menschen zu unterstützen, die nicht aus dem Haus können, Anteil zu nehmen an den Sorgen. Gott sei Dank, es gibt Telefon, Mail-Kontakt, auch schreiben können wir. Und bleiben wir treu im Gebet miteinander und füreinander, auch darum, dass unser Gesundheitssystem, unser Staat, unsere Wirtschaft und nicht zuletzt unsere Gesellschaft dieser Belastungsprobe standhalten und die Menschen, die für andere da sind, gestärkt und behütet werden.

Ihr/Euer Pfarrer Volker Burkart