Ich habe einen Traum

Diese Redewendung (im englischen Original „I have a dream“) ist durch Martin Luther King weltberühmt geworden. Ein erwachsener Mann hat sich erlaubt, öffentlich zu träumen. Ein schwarzer Prediger in den USA kämpft an zwei Linien: Einerseits gegen die damals alltägliche Diskriminierung von Schwarzen und Mischlingen, andererseits gegen die aufkommende Gewaltbereitschaft unter fanatischen Afroamerikanern. M. L. King träumt von einer friedlichen Welt, in der Menschen nicht nach ihrer Herkunft oder Hautfarbe beurteilt werden, sondern nach ihrem Charakter, nach ihren inneren Werten. Damals war es noch längst nicht selbstverständlich, dass auch in der Realität die gleichen Rechte für Alle gelten, und das lange nach der Abschaffung der Sklaverei, und trotz einer Verfassung, die die Gleichheit aller Bürger feststellt. Die beruflichen Chancen waren für Dunkelhäutige schlechter, im Bus gab es getrennte Sitzreihen, und die Ausübung des Wahlrechtes wurde in vielen US-Bundesstaaten denen fast unmöglich gemacht, die keine rein-weiße Hautfarbe hatten. Gewaltexzesse weißer Polizisten und Zivilisten gegen Schwarze blieben in der Regel ungestraft.
Vor 50 Jahren, am 4. April 1968, wurde Martin Luther King von einem weißen Rassisten erschossen. Seine vier Kinder und seine Frau Loretta, die erst kürzlich verstorben ist, durften aber noch erleben, wie sein Traum teilweise Wirklichkeit wurde. M. L. Kings Träume und seine Predigten waren immer gründlich aus der Bibel belegt. Er hoffte nicht ins Blaue hinein, sondern weil er wusste, dass Gottes Wesen Liebe ist und seine Forderung an uns Menschen Gerechtigkeit.
Wir dürfen träumen, gegen allen Anschein einer verlorenen und gänzlich verdorbenen Welt. Wir dürfen von einer besseren Welt träumen, weil uns Gott verheißen hat, dass er die Welt nicht den Mächten der Finsternis überlassen wird, auch wenn es zeitweilig so aussehen mag, dass ein Ungeheuer nach dem anderen dem Schlund der Hölle entsteigt. Heute sind es keine Drachen, sondern Atom-U-Boote und kranke Gewaltphantasien, wie sie die Hirne von Extremisten aller Art und auch einiger Machthaber befallen. Während wir Ostern feiern, sterben Menschen wegen ihrer Hautfarbe, wegen ihres Glaubens, wegen ihrer Zugehörigkeit zu einem Volk oder einer Nation, oder einfach nur, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren.
Wir dürfen träumen davon, dass unsere Kinder friedlich mit Kindern anderer Nationen spielen, dass mehr Phantasie, Kraft, Intelligenz und Geld gesteckt wird in ein besseres Leben für Alle, als in perfide Waffensysteme. Wir dürfen träumen, dass alle Menschen der Erde satt werden, anständig bezahlte Arbeit, Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung haben und ein menschenwürdiges Leben führen können. Beten wir nicht ständig, dass Gottes „Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden“? Gott will das Leben und nicht den Tod; das ist die Botschaft von Ostern! Gott will, dass alle Menschen von Seiner Liebe erfahren; das ist der Auftrag von Jesus Christus an seine Kirche. Fangen wir an zu träumen, und dann gehen wir an die Arbeit!

Eine frohe, gesegnete Osterzeit Ihr/Euer Pfarrer Volker Burkart