„In Philippi sehen wir uns wieder!“

Eine Begebenheit aus der Apostelgeschichte ist zur Redewendung geworden, die so viel besagt wie: „Man sieht sich immer zweimal im Leben!“ Philippi war die erste Stadt auf europäischen Boden, wo der Apostel Paulus Mission betrieben und eine Gemeinde gegründet hat. Die Kirche wurde in Europa weiblich; als Erste ließ sich die Purpurhändlerin Lydia taufen und übernahm die Gemeindeleitung! Ihr Haus wurde das erste christliche Haus in Griechenland.
Paulus und sein Begleiter Silas erfuhren aber auch in Europa, dass man es hier mit Menschen- und Bürgerrechten nicht so genau nahm, vor allem wenn es um Fremde ging. Sie wurden auf Befehl der Polizeichefs öffentlich von Sicherheitskräften verprügelt und ohne Prozess oder Haftgrund eine Nacht lang in den Kerker gesperrt. Danach wollte die Obrigkeit die Sache still und heimlich unter den Teppich kehren und die so Misshandelten aus der Stadt komplimentieren. Doch Paulus besteht auf einer öffentlichen Entschuldigung und bekommt sie! Man sieht sich im Leben halt immer zweimal.
Trotz dieser unangenehmen Erinnerung an die schlechte Behandlung hat Paulus die Gemeinde in Philippi ganz besonders ins Herz geschlossen. Es war eine sehr herzliche Beziehung, ein Geben und Nehmen, vor allem aber eine tiefe geistliche Verbindung, in der einer für den anderen in der Fürbitte stand. Entsprechend tüchtig, geradezu vorbildlich war diese Gemeinde in ihrem christlichen Handeln.
In der Bibelwoche haben wir Gelegenheit, diese Gemeinde näher kennenzulernen aus dem Brief des Paulus an die Philipper. Das tun wir wieder in ökumenischer Weise, gemeinsam mit unseren methodistischen Geschwistern, laden uns gegenseitig zu den Abenden ein und hören gemeinsam auf Gottes Wort. Darin kann nur Segen liegen! Und hoffentlich lernen wir an der Gemeinde in Philippi auch etwas für unseren Umgang miteinander. Und schließlich ist im Philipperbrief der erste christliche Psalm überliefert, ein Loblied, das Paulus offenbar gern in dieser Gemeinde mitgesungen hat. Im gemeinsamen Singen liegt eine große Kraft.
Europa hat immer noch an seinen Schwachpunkten zu arbeiten. Die Teilhabe von Frauen an der Leitung von Kirche, Staat und Wirtschaft hinkt immer noch hinterher; Lydia ist eine Ausnahme geblieben. Der Umgang mit Fremden ist immer noch von Argwohn und Benachteiligung bestimmt. Und die Versuche, sich vor einer Entschuldigung zu drücken, dauern an. Es gibt viel zu verbessern. Beginnen wir es mit Paulus!
Ihr/Euer Pfarrer Volker Burkart