Weniger ist mehr! (kann Verzicht reicher machen?)

In diesem Februar beginnt recht früh die Passionszeit. Mit dem Sonntag „Sexagesimä“ (lateinisch für „der sechzigste“) am 7.2. werden wir daran erinnert, dass es nur noch etwa sechzig Tag sind bis Ostern. Diese Wochen vor dem Osterfest sind eine traditionelle Vorbereitungs- und Fastenzeit. Viele Menschen verzichten in dieser Zeit freiwillig auf kleine oder große Laster. Ging es in früheren Zeiten um das Essen von Fleisch, Eiern, Milchprodukten, so denken heute wieder Menschen über bewussteres und gesünderes Essen nach, verzichten eine Zeit auf Genussmittel, Alkohol, Tabak, Süßes, manche auf den Gebrauch von Fernseher, Internet, Handy.
Nun sind wir ja in dieser Zeit nicht nur zu freiwilligem Verzicht aufgerufen. Auf viele Dinge müssen wir verzichten, weil der Infektionsschutz es erfordert und die staatlichen Regelungen es uns vorschreiben. Unfreiwilliger Verzicht ist sicher unangenehmer als der, den wir uns selbst aussuchen. Beiden aber können wir auch eine gute Seite abgewinnen, wenn wir uns sagen: Es geschieht zu meinem Besten! Und im Idealfall dürfen wir sagen: Ich bringe ein Opfer, weil es anderen Menschen dient. Beim Infektionsschutz gilt ja: Ich schütze mich und gleichzeitig andere Menschen vielleicht vor mir.
Beim Fasten suchen viele Menschen auch so einen Nebeneffekt: Ich verzichte auf etwas, und die Ersparnis lasse ich Notleidenden zugute kommen. Meinem Körper tut es gut, wenn ich nicht nasche, trinke, rauche oder weniger oder gar nicht am Bildschirm sitze. Und was ich dabei spare, hilft einem Anderen.
Vielleicht mache ich aber noch eine andere Entdeckung beim Verzicht: Ich stelle fest, dass ich auch ohne die Dinge leben kann, an die ich mich zu sehr gewöhnt habe. Ich gewinne Zeit für mich, Zeit für Andere und Zeit für Gott. Mein Blick schärft sich für das wirklich Wesentliche im Leben. Und manche Dinge, die ich bewusst eine Zeit lang entbehre, werden mir danach nur umso lieber und schöner. Etwa ein Genuss, nach dem ich mich lange gesehnt habe, oder ein Treffen mit lieben Menschen, die ich lange nicht umarmen durfte.

Eine gesegnete Fastenzeit wünscht
Ihr/ Euer Pfarrer Volker Burkart