Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
(Jahreslosung aus Offenbarung 21, 6)

Die Erinnerungen in mir sind noch ganz lebendig an die Jahre, in denen in meiner bergischen Heimat „Wassernot“ ausgerufen wurde. In regenarmen Sommern, die freilich selten waren, reichte die Versorgung aus den Talsperren nicht mehr aus. Dann musste im Haushalt Wasser gespart werden, Autos und Busse fuhren staubbedeckt, und wer seinen Garten mit Leitungswasser goss, riskierte Strafgelder. Dann freuten sich alle Menschen, wenn es endlich wieder Regen gab. Die Zeiten sind für uns vorbei, Gott sei Dank. Wir kennen aber die Bilder aus Afrika, wo ganze Landstriche zu Steppe und Wüste werden, Kinder aus abgrundtiefen Löchern lehmiges Wasser schöpfen und kilometerweit tragen müssen, Flüchtlingslager nur einen einzigen Wasserhahn haben, an dem lange Schlangen stehen. Viele Menschen auf dieser Erde haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, und Krankheiten und Tod folgen diesem Mangel.
Diesen Mangel wollen internationale Konsortien zu viel Geld machen. Dagegen halten Hilfsorganisationen, dass sauberes Wasser doch eher als Menschenrecht zu betrachten sei. Genau wie die Luft zum Atmen und Land zum Leben. Und wir wissen aus der Bibel, dass alles zusammen Geschenke Gottes sind: Gott gibt uns das Leben und die Erde zum Leben, er gibt uns Luft zum Atmen und Wasser zu trinken.
Die Offenbarung erzählt uns von der neugeschaffenen Welt Grottes, wenn er seine Kinder um sich versammelt. Dort gibt es Alles in Hülle und Fülle. Die Durstigen, das heißt die Menschen, die im Erdenleben Mangel ertragen mussten, bekommen alles im Überfluss. Die im Leben zu kurz gekommen sind, dürfen nun aus dem Vollen schöpfen. Leben in seiner ganzen Fülle, ohne Einschränkungen.
Zu kurz gekommen sind nicht nur Menschen, die Mangel an Trinkwasser oder Nahrung leiden. Nicht nur Grundbedürfnisse bleiben unerfüllt, wie Wohnung und Heimat, Körperpflege und medizinische Versorgung. Zu unserem Glück brauchen wir an solchen Dingen wirklich nicht viel. Was wir aber suchen, sind Liebe und Geborgenheit, ehrliche Beziehungen, freundliche Worte und Gesten, Anerkennung und Wertschätzung. Geliebt, wertgeschätzt und geborgen sind wir bei Gott; nicht erst im Himmel. Schon auf Erden schenkt er uns das. Und wenn wir es als Gemeinde schaffen, aber auch in der Familie, in der Freundschaft, einander das zu geben, dann haben wir ein Stück Himmel auf Erden.

Ihr/Euer Pfarrer Volker Burkart